chrispop.de

Ein Blog über nichts bestimmtes von niemandem, den du kennst.
June 29, 2018

Fünf

Es gibt auf dieser Welt offenbar etwas, was sich den 5AM-Club nennt. Woher genau das ganze kommt, weiß ich nicht. Ich hörte gestern das erste Mal in diesem Artikel davon. Wenn man irgendwas in der Art von "Getting up at 5AM" auf Google oder Youtube sucht, bekommt man viele Ergebnisse von Menschen, die darauf schwören, dass das großartig ist. Es scheint also die Regel zu geben, dass man es immer möglichst vielen Leuten mitteilen muss, wenn man früher aufsteht als alle Anderen. Da auch ich es irgendwie schaffe, dieses komplette Jahr grob um 5 Uhr aufzustehen, muss ich das natürlich öffentlich kund tun.
Vielleicht lädt mich dann ja acuh jemand in diesen Club ein. Ich war noch nie in einem Club.

Wenn man um 5 Uhr morgens aufsteht hat das zunächst erstmal den Nachteil, dass man sehr früh wach ist. Im Sommer hat man das Glück, dass die Sonne zu der Zeit aufgeht, das ist nett. Im Winter ist es kalt und dunkel.
Das bedeutet auch, dass man sich entscheiden muss: Entweder man geht früh ins Bett, oder man legt sich ein Magengeschwür zu, weil man quasi nicht mehr schläft. Ich entschied mich für die erste Möglichkeit und fahre damit bisher recht gut.
Jetzt liege ich an einem durchschnittstag also um 10 im Bett, um dann am nächsten Morgen um 5 Uhr aufzustehen. Obwohl ich auch ohne Probleme bis, keine Ahnung, 8 Uhr schlafen könnte. Warum?

Angefangen habe ich das ganze eigentlich nur, weil ich gerne mehr (heißt in diesem Fall: Überhaupt) laufen wollte. Nach der Arbeit habe ich regelmäßig Ausreden dafür gefunden, das nicht zu tun. Morgens war das ein bisschen schwieriger. Mein Gehirn war noch nicht so richtig wach und ich war vom Tag noch nicht erschöpft. Solange ich es also nur aus dem Bett raus geschafft habe (was erstaunlich gut klappte), ging ich also konsitent laufen.
So früh laufen zu gehen hat außerdem den großen Vorteil, dass kein Mensch so früh raus gehen will, wenn er nicht unbedingt muss. Das ist also die einzige Zeit am Tag, an der Köln mal ruhig ist und ich irgendwie das Gefühl habe, die Stadt ein bisschen für mich zu haben.

Jetzt ist es irgendwie kacke, an manchen Tagen um 5, an anderen um 7 aufzustehen. Also fing ich einfach an, an allen Tagen um 5 Uhr aufzustehen. Manchmal gehe ich laufen, an Ruhetagen mache ich halt was anderes. Das ist hauptsächlich lesen, und das klappt sehr gut. Auch so eine Sache, die ich nach der Arbeit eher nicht mehr machen würde. Manchmal, so wie heute, sitze ich aber auch 20 Minuten rum, denke, das alle Themen über die ich so schreiben könnte langweilig sind, und schreibe dann trotzdem irgendwas. Who cares.
Generell ist die Uhrzeit ganz gut um Dinge zu tun, bei denen man nicht gestört werden will. Auch schon mal zwei Stunden arbeiten klappt ganz gut (wenn man in diesen Club will sollte man das aber nicht tun, da ist das nämlich verboten. Solltet ihr das trotzdem tun wollen, aber auch in einen Club wollen, könnt ihr in meinen kommen. Im Herbst bauen wir ein Clubhaus!).

Ich mache das also jetzt einige Monate, und die Frage liegt auf der Hand: Bin ich ein besserer Mensch als Leute, die später aufstehen? Definitiv! Wer nach mir aufsteht ist faul und hat die Kontrolle über sein Leben verloren.

Aber mal im Ernst: Ich dachte, dass wird alles irgendwie scheisse, weil ich dachte, ich sei keine von diesen "Morning Persons". War ich anfangs auch nicht, aber man gewöhnt sich als Mensch offenbar recht schnell an alles.
Ich mag das Gefühl, vor den meisten Menschen wach zu sein und ein bisschen ruhe zu haben, bevor der Tag beginnt. Ich mag es auch, um 9 auf die Uhr zu schauen und zu denken "Oh, erst neun, dabei habe ich schon so viel gemacht!".
Früher war eigentlich eher nachts länger wach, und habe dann Dinge gemacht, wie diesen Artikel hier schreiben. Das funktionierte genau so gut, ich fühlte mich am Morgen aber nicht so gut damit (das mag durchaus auch ein gesellschaftlich antrainiertes Ding sein). Im direkten Vergleich stehe ich lieber früher auf.

Wenn ihr lieber nachts lange machen wollt und damit glücklich seid, cool! Diese ganze Early-Bird-Geschichte kann man aber auch gut mal ausprobieren, wenn man sich dabei nicht davon abschrecken lässt, dass man, naja, früh aufstehen muss und dem ganzen eine Chance gibt.