chrispop.de

Ein Blog über nichts bestimmtes von niemandem, den du kennst.
January 21, 2019

Rollkoffer

Irgendwann wird die menschliche Zivilisation, so wie wir sie momentan kennen, zu Ende gehen. Ich denke, darauf können wir uns einigen. Wann genau das sein wird, kann natürlich niemand sagen, aber so wie es im Moment läuft, sind wir auf einem sehr guten Weg, dass wir das alle noch miterleben können.
Jetzt möchte ich natürlich hier über nichts schreiben, was eine tatsächliche Relevanz hat, beispielsweise, wie wir den Klimawandel stoppen können. Wo kommen wir denn da hin?
Wenn nun also dieser Zeitpunkt in der unbestimmten Zukunft gekommen ist und unsere Zivilisation nicht mehr ist, wird vermutlich noch eine Weile automatisiert Bitcoin gemined, aber auch das hört dann irgendwann auf. Dann passiert vermutlich im Bereich der Zivilisationen erstmal wenig bis gar nichts. Aber irgendwann wird sich eine neue Hochkultur erheben und diese Hochkultur ist natürlich auch an der Geschichte des Planeten interessiert. Also werden innerhalb dieser Kultur auch Nachforschungen über die Vergangenheit angestrebt werden. Wie wir wohl so gelebt haben, was wir den ganzen Tag gemacht haben, was uns angetrieben hat. Und natürlich auch die spannende Frage, warum diese Zivilisation zugrunde gegangen ist.

Viele schlaue Leute werden viele Tage damit verbringen, alte Artefakte zu deuten, Schriften zu lesen und USB-Sticks voller Backups von Hausarbeiten und illegal geladener Filme zu sichten. Und dann, eines Nachmittags, wird es einem der vielversprechendsten Menschen auf diesem Feld gelingen, einen Durchbruch zu erreichen. Es ist dann vermutlich ein Samstagnachmittag (zu 95%), es regnet, der Herbst fängt so langsam an. Dieser Mensch sichtet dann mal wieder Material, das eigentlich schon 100 mal gesichtet wurde. Und dann wird es ihm klar. Ganz deutlich sieht sie den Grund vor sich. Das eine Ereignis, auf das alles zurückzuführen ist: Der generelle und ansteigende Unmut in der Zivilisation. Das abstumpfen des Mitgefühls, die steigenden Aggressionen und am Ende auch die Kriege. Es ist glasklar, nur hat es bis dahin niemand gesehen: Es ist die Erfindung des Rollkoffers.

Der Rollkoffer. An sich natürlich eine großartige Idee. Koffer sind ja nun mal meistens schwer und sie zu tragen ist nicht angenehm. Vor allem für uns Menschen, da wir nun einmal erwiesenermaßen keine Tragetiere sind. Also hat sich jemand schlaues Gedanken gemacht und einfach Rollen daran montiert. So musste man ihn nicht mehr tragen. Toll.

Nun sind wir Menschen nicht nur keine Tragetiere, sondern können auch mit Verantwortung einfach nicht umgehen. Wenn man uns einen Hammer gibt, dann sehen wir überall Nägel. Und wenn wir einen Nagel sehen, dann wird verdammt noch mal gehämmert.
Und genau so läuft das eben auch mit den Rollkoffern. Während es durchaus Sinn ergibt, dass man sich zwischen zwei Terminals an großen Flughäfen kein Schultergelenk mehr auskugelt (nehmen Sie zum Beispiel, äh, Charles de Gaulles, weil das ja klar ist), werden plötzlich alle Flächen, die mehr oder wenig ebenerdig sind, zur perfekten Kofferstrecke.

Beispielsweise Gänge in Flugzeugen oder Zügen. Während der Untergrund hier durchaus sehr gerade ist und dadurch zum Kofferrollen einlädt, ist der Raum drum herum stark begrenzt. Häufig passt der Koffer nur gerade eben durch den Gang. Ein sehr ambitionierter Koffer-Zieher verliert hier aufgrund der hohen Geschwindigkeit, die der Untergrund ermöglicht, häufig die Kontrolle über sein Gefährt. Das führt dann dazu, dass sich der Koffer verkeilt, dieser andere, Rollkofferlose, Reisende auf ihren Sitzplätzen belästigt (das bin ich!) und zu einem Rückstau und einer Karambolage der anderen Idioten Menschen kommt, die auch ihren Koffer ziehen.

Oder Treppen. Rein physikalisch handelt es sich hierbei durchaus um einen Flachen Untergrund, der aber leider in der Höhe versetzt ist. Während bestens dazu geeignet, schnell und relativ bequem eine Höhenveränderung durchzuführen, ist es für Rollkoffer doch eher ein herausfordernder Untergrund. Das hält den eifrigen Rollkoffer-Freund natürlich nicht davon ab, die Treppe trotzdem zu benutzen, als wäre diese ein ebener Untergrund. Dass es dabei bei jeder Stufe einen extrem nervigen Lärm gibt, ist egal. Ein bisschen Schwund ist ja immer. Und man wird jawohl seinen Rollkoffer noch ziehen dürfen, wie man will. Das hier ist schließlich ein freies Land.

Im Grunde möchte ich hier ja auch gar nicht gegen Rollkoffer-Besitzer wettern, einige meiner besten Freunde besitzen Rollkoffer (ja, ehrlich), aber es raubt mir manchmal den letzten Nerv, und außerdem ist das mit dem Aufregen ja jetzt eh schon passiert. Da kann man nichts machen, nun ist das Kind im Brunnen.

Außerdem seid ihr alle schuld am Ende der Zivilisation, da werde ich ja wohl noch was schreiben dürfen.