chrispop.de

Ein Blog über nichts bestimmtes von niemandem, den du kennst.
March 10, 2019

Bird Box

Nachdem mein Hauptkontakt mit diesem Film für die erste Zeit nach seinem Erscheinen nur aus lustigen Memes auf /r/de bestand, habe ich es gestern endlich geschafft, ihn zu sehen. Da es mittlerweile zu einer Besonderheit geworden ist, dass ich tatsächlich mal einen Film schaue, ist das auf jeden Fall auch einen Text wert.

Wie immer habe ich, durch meinen spärlichen Konsum nicht weiter verwunderlich, keine große Ahnung von Filmen und den ganzen Techniken, die dahinter stecken. Ich kann nicht beurteilen, ob die Kameraführung gut oder schlecht war. Natürlich werde ich es trotzdem tun: Es war nichts unscharf und ich hatte nie das Gefühl, der Kameramann würde grade in die falsche Ecke filmen und ich dadurch nichts mitbekommen. Daher würde ich sagen, dass die Kameraführung wohl, im großen und ganzen, okay war.
Da wir nun die technischen Details geklärt haben, sollten wir zu den wichtigen Themen kommen: Die Story.

Offensichtlich wird dieser Text spoiler enthalten. Wer den Film noch nicht gesehen hat, das aber tun will, sollte hier aufhören zu lesen. Euch vielen Dank bis hier hin, gebt mir doch 5 Sterne auf iTunes und unterstützt mich auf Patreon!

Nachdem der Abspann gelaufen war, hatte ich erstmal das Gefühl, die letzten zwei Stunden gut unterhalten worden zu sein. Auf der anderen Seite hatte ich aber auch das komische Gefühl, dass mir etwas fehlt. Das Ende kam mir etwas übereilt vor und tatsächlich auch ein bisschen zu happy. Dass die drei einen Ort gefunden haben, an dem sie halbwegs sicher sind, das finde ich noch okay, aber dass dann auch noch die Ärztin vom Anfang auftaucht war mir ein bisschen zu kitschig. Aber gut, von einem Ende lasse ich mir selten einen Film ruinieren. Es ist ja nur ein kleiner Teil der Geschichte. Wenn ich während der Geschichte trotzdem unterhalten war, würde ich sie wegen einem blöden Ende nicht als schlecht bezeichnen. So ist nun mal das Leben.

Ich tue mich allerdings ein bisschen schwer damit, überhaupt herauszufinden, was die Geschichte vom Film ist. Er spielt in zwei Zeitsträngen. Zum Einen die Gegenwart, in der die Hauptdarstellerin mit zwei Kindern versucht, über einen Fluss an einen Sicheren Ort zu kommen. Zum Anderen die Flashbacks, die vom Beginn des Auftauchens der Monster vor 5 Jahren bis zu kurz vor der Bootsfahrt reichen. Die Kinder kommen erst relativ zum Ende der Flashbacks, als Babys, vor. Man sieht sie quasi nicht aufwachsen, in der Gegenwart sind sie dann aber 5 Jahre alt. Ich habe absolut keine Bindung zu den Kindern entwickelt. Hätte die Hauptdarstellerin irgendwann “Verflucht, wir sind zu schwer” gesagt und eines der Kinder aus dem Boot geworfen, hätte ich das vermutlich mit “Die Natur ist grausam, was will man machen?” ab tun können.

Dann gibt es da noch diese Liebesgeschichte, die sich von Anfang an anbahnt, aber auch nie so richtig an Feuer gewinnt. Auch hier erleben die beiden einfach zu wenig, als dass ich da groß mitfiebern könnte. Alles ist sehr schnell passiert, wurde nicht so richtig ausgeschmückt und als er dann weg war, war das halt so. Wie gesagt, die Natur.

Die einzige Konstante in der Geschichte sind eigentlich die Hauptdarstellerin und die Monster. Die Hauptdarstellerin ist zu Anfang des Filmes schwanger und hat offensichtlich nicht so viel Lust auf ihr Kind. Das ist okay und kommt vor. Irgendwann ist sie dann nicht mehr schwanger, hat weiterhin nicht so viel Lust auf ihr Kind (da sie es “Junge” getauft hat) und außerdem ein weiteres Kind (ein Mädchen mit dem Namen “Mädchen”) adoptiert, auf dass sie vergleichbar wenig Lust hat. Zum Ende hin wird zwar schon deutlich, dass ihr wohl am Überleben der Kinder gelegen ist, aber auch das kommt so plötzlich, dass man es irgendwie nicht so recht glauben mag.

Dann sind da noch die Monster, und das ist etwas, mit dem mich der Film auf jede Fall bekommen hat. Die Monster sind unsichtbar und jeder, der sie sieht, bringt sich daraufhin schnell um. Man sieht sie auch während des ganzen Films nicht, worüber ich sehr froh bin. Dinge zu zeigen, macht sie deutlich weniger gruselig, weil man dann keine wirkliche Ungewissheit mehr hat. So hat man noch Möglichkeiten, sich vorzustellen, was man denn wohl sieht, wenn man hin hinschaut. Ist es so schrecklich, dass man sich umbringen will, oder ist es vielleicht so unvorstellbar, dass man damit nicht klar kommt?
Natürlich gibt es zwei Stellen, an denen man ein bisschen was erfährt. Am Anfang ist von Dämonen die Rede, und man kann auf ein paar gemalten Bildern sehen, dass es wohl keine sonderlich schönen Wesen sind.

Das führt mich auch zu meinem Problem mit den Monstern. Man kann sie nicht ansehen, deswegen tragen die Menschen draußen Augenbinden und haben alle Fenster verdunkelt. Davon ausgehen, das nie eines der Monster versucht, ins Haus zu kommen oder die Augenbinden zu entfernen, sind sie scheinbar körperlos und können keinen Einfluss auf die physische Welt nehmen. Auf der anderen Seite werden sie aber vom Abstandsmesser eines Autos erkannt und können im Wald Schneisen ins Gebüsche schlagen. Das passt nicht ganz zusammen und nervt mich ein bisschen.

Was mich auch nervt, und hier hole ich auch ein bisschen weiter aus, ist, dass psychisch gestörte Menschen offenbar die Monster sehen können, ohne sich umzubringen, und auch wollen, dass alle anderen hinschauen. Diese Menschen werden danach offensichtlich sterben und das ist den psychisch gestörten Menschen scheinbar auch klar. Sie wollen sie also umbringen. Das finde ich problematisch, weil es ein stigma um psychische Krankheiten aufbaut. Diese Menschen sind offensichtlich alle verrückt und wollen andere Menschen umbringen. Jetzt kann man natürlich sagen “Chris, das ist doch nur ein Film, stell dich nicht so an”, aber auch Filme tragen, wie Sprache, dazu bei, Dinge zu stigmatisieren. Wenn man sein ganze Leben in Filmen sieht, dass psychisch gestörte Menschen verrückt und gefährlich sind, dann muss man aktiv den Schritt machen, das von der echten Welt abzugrenzen. Und ich glaube, dass viele Menschen diesen Schritt nicht machen. Wir haben in unserer Gesellschaft sowieso das Problem, dass Menschen sich schämen, zum Psychologen zu gehen, wenn es das Normalste der Welt sein sollte. Ich bin kein Fan davon, wenn Filme aktive zu solchen Problemen beitragen.

Zurück zur Story, die keine richtige ist: Am Ende hat es sich ein bisschen angefühlt, wie eine spannende Fallstudie zu diesen Monstern. Das war unterhaltsam, aber es fühlte sich auch so an, als wüsste der Film nicht so richtig, wo er eigentlich hin will. Er hat alles ein bisschen gemacht, aber nichts so richtig. Dafür war alles auf einem guten Niveau und ich würde den Film durchaus weiter empfehlen. Gäbe es hier eine Sterne-Bewertung, ich würde ihm vermutlich 3,5 von 5 Sternen geben. Gibt es aber leider nicht. 🤷‍♂️